Alk - Info

...auf dieser Seite gebe ich einige Infos zum Thema Sucht auch werde ich versuchen einige Begriffe deutlicher zu erklären welche ich in meinem Buch verwendet habe...

 

 

Häufig bleibt der Beginn einer Alkoholabhängigkeit unerkannt, weil es dem Trinkenden gelingt, sein zunehmend problematisches Trinkverhalten vor seiner Umwelt zu verschleiern. Häufig ist sich der Betroffene selbst noch nicht darüber im Klaren, dass er auf die Abhängigkeit zusteuert. Freunde und Verwandte erkennen zwar in der Regel, dass der Alkoholkonsum überhand nimmt, schreiten aber oftmals nicht ein, um Anfeindungen aus dem Weg zu gehen und nicht als 'Spielverderber' zu gelten.

Alkoholismus ist eine Krankheit, die behandelbar, jedoch nicht zu hundert Prozent heilbar ist. Auch ein trockener Alkoholiker bleibt ein Alkoholiker, da sein Hirn ein "Suchtgedächnis"' entwickelt hat ich nenne es in meinem Buch auch "Schläfer". 

Ein Urteil des Bundessozialgerichts aus dem Jahre 1968 erkannte erstmals die süchtige Bindung an Alkohol als Erkrankung an. Seitdem sind Krankenkassen, Rentenversicherungen und Sozialhilfeträger zur Übernahme eines gewissen Anteils der Behandlungskosten verpflichtet.

Konflikt-, Gelegenheits- und Gewohnheitstrinker


          Alpha- oder Konflikttrinker

Er trinkt, um seelische Spannungen wie Frustration, Stress, Unlust und Depressionen abzubauen. Die psychische Abhängigkeit ist in der Regel noch gering ausgeprägt, eine körperliche Abhängigkeit besteht nicht. Der Konflikttrinker hat die Kontrolle über sein Trinken (noch) nicht verloren, man kann aber bereits von einem Alkoholmissbrauch sprechen.


           Der Beta- oder Gelegenheitstrinker

Sein Trinken wird durch soziale Umstände bedingt und begünstigt. Das exzessive Trinken findet im Freundeskreis oder auch im Arbeitsumfeld statt. In bestimmten 'Kreisen' gehören Alkoholexzesse zum guten Ton. Psychische und körperliche Abhängigkeit sowie Kontrollverlust liegen nicht vor.


          Der Gamma- oder süchtige Trinker

Der Gamma-Trinker hat die Kontrolle über sein Trinken verloren. Oft trinkt er solange weiter, bis ihm der Alkohol ausgeht, oder bis er zu betrunken ist, um weiterzutrinken ('Kontrollverlust'). Der süchtige Trinker kann über gewisse Zeiträume hinweg abstinent sein und ist deshalb oft der Überzeugung, noch nicht abhängig zu sein. Sein Trinken hat jedoch bereits negative körperliche und soziale Folgen. Eine bestehende psychische Abhängigkeit geht im Laufe der Zeit in eine körperliche Abhängigkeit über.

              Der Delta- oder Spiegeltrinker

Der Gewohnheits- oder Spiegeltrinker muss ständig dafür sorgen, dass ein ausreichender Alkoholspiegel sichergestellt ist, wenn er Entzugserscheinungen vermeiden will. Die Kontrolle über den Trinkzeitpunkt (das Ob und Wann des Trinkens) geht verloren, da nach zeitweiliger Abstinenz mit dem Absinken des benötigten Alkoholpegels der 'Jieper' einsetzt, und zur Vermeidung von Unwohlsein der Alkoholkonsum wieder aufgenommen werden muss. Der Deltatrinker ist zwar körperlich abhängig, neigt aber nicht zum exzessiven Trinken. Akute Räusche sind eher selten oder kommen gar nicht vor. Der Deltatrinker ist vom Alkohol physisch abhängig.


           Der Epsilon- oder episodische Trinker

Beim 'Quartalstrinker' liegen zwischen Perioden starken Trinkens Tage bis Monate normalen Trinkens oder gar Abstinenz. Während der Alkoholexzesse kommt es jedoch zum Kontrollverlust; akuter Rausch oder komatöse Zustände sind nicht selten. Der episodische Trinker ist zwar zur zeitweiligen Abstinenz fähig, aber vom Alkohol psychisch abhängig.


         

Kontrollverlust

Typisch für den Beginn der kritischen Phase sind Kontrollverluste. Schon nach einer geringen Menge Alkohol empfindet der Alkoholkranke ein intensives Verlangen nach mehr, das erst endet, wenn er zu elend ist, um mehr zu trinken. Dabei besteht jedoch noch ein Rest von Kontrolle.

Der Alkoholkranke versucht, über längere Zeiträume abstinent zu bleiben oder seinen Alkoholkonsum einzuschränken, scheitert aber immer wieder. Er beginnt, sich selbst Trinkregeln zu setzen ("nicht vor 14 Uhr", "keine harten Alkoholika", "nur ein Bier am Abend" usw.) Leider wird dieses System oftmals nicht nur durch seine eigene beginnende Sucht, sondern auch durch das Unverständnis seiner Umgebung zerstört ("Trink doch noch einen mit...") Bis zu diesem Zeitpunkt ist sich der Betroffene in der Regel noch nicht darüber im Klaren, dass er nicht mehr dauerhaft abstinent bleiben kann. Er versucht ständig, 'sich zu beherrschen', sich 'wieder in den Griff zu bekommen'.

 

 

Körperliche Veränderungen

Mit zunehmendem Kontrollverlust nach längerem Alkoholmissbrauch treten auch körperliche Symptome auf. Typisch sind z.B. das Händezittern am Morgen, Schweißausbrüche, Übelkeit und Brechreiz, Gewichtsverlust, Schlafstörungen sowie sexuelle Probleme bis hin zur Impotenz. Die Intervalle zwischen 'trockenen' Phasen werden immer kürzer und seltener.

Viele Alkoholkranke haben vor allem nach dem Rausch mit Übelkeit zu kämpfen und nehmen deshalb kaum noch Nahrung zu sich. Essen ist morgens häufig überhaupt nur nach dem Konsum von Alkohol möglich. Durch die zunehmende Mangel- und Unterernährung tritt eine weitere Verschlechterung des Gesundheitszustands ein; das Immunsystem wird stark in Mitleidenschaft gezogen.

Es folgen die ersten stationären Einweisungen wegen alkoholbedingten Beschwerden (Depressionen, Bewusstlosigkeit, Magen/Darm Probleme usw.) Diese körperlichen und psychischen Erkrankungen werden vom Arzt leider nicht immer als Warnsignale interpretiert, weil der Alkoholkranke gelernt hat, seine Trinkgewohnheiten zu vertuschen.

Erklärungsmuster und Alibis

Da Freunde, Familie und Kollegen beginnen, auf sein Problem aufmerksam zu werden, versucht er die Gründe für sein Trinken an äußeren Umständen festzumachen (Beziehungskonflikte, Stress, Mobbing...) Jeder Rausch hat in den Augen des Alkoholkranken einen plausiblen Auslöser. Dieser 'gute Grund zu trinken' ist nur ein Baustein in einem komplexen Erklärungsmuster, das er sich zurechtlegt, um sich zu schützen. In diesem System gehen Lügen und Selbsttäuschung oft Hand in Hand. Der Alkoholkranke will vor der Umwelt, aber vor allem auch vor sich selbst das Gesicht nicht verlieren.

Der Alkohol dient zunehmend als 'Allheilmittel' für alle Arten von Problemen und Konflikten, die scheinbar nicht mehr anders zu lösen sind. Parallel dazu sinkt die Fähigkeit, sich Auseinandersetzungen ohne Zuhilfenahme von Rauschmitteln zu stellen. Immer sind 'Andere' oder 'Anderes' für das Dilemma verantwortlich. Dieses Erklärungsmuster wird auf alle Bereiche des täglichen Lebens ausgedehnt, da ja auch der Alkohol alle Sphären zu besetzen beginnt.

Der Alkoholkranke wird (scheinbar grundlos) aggressiv, reizbar und übellaunig. Kritik und Interventionsversuche stoßen auf Widerstand oder werden durch Ausflüchte abgewehrt. Die Bandbreite der Ausreden wird immer größer. Arrogantes, narzisstisches, großspuriges und übertrieben selbstbewusstes Verhalten soll den zunehmenden Selbsthass kaschieren und einem Autoritätsverlust vorbeugen. Aber auch dadurch ist die soziale Isolation oftmals nur zeitweilig aufzuhalten.

Veränderung der Lebensgewohnheiten

Das zum Selbstschutz und als Alibi für das Trinken entworfene Erklärungsmuster schafft Veränderungen im gesamten Leben des Alkoholkranken. Viele Freunde und Hobbies werden als 'Ballast' abgeworfen und durch eine 'affirmative' Umgebung ersetzt. So wendet sich der Alkoholkranke (oft plötzlich, radikal und aus geringfügigen Anlässen) von ehemals nahestehenden, geliebten Menschen ab aus Angst, dass sie sein Problem erkennen und ihn dafür verachten könnten. Um nicht als bedürftig und schwach zu erscheinen, führt er als Gründe für eine Trennung an, er sei erst durch ihr 'falsches' Verhalten abgerutscht. Da viele Freunde und Angehörige das Ausmaß seiner Erkrankung selbst noch nicht erkannt haben, stehen sie diesen unerwarteten, aggressiven und ungerecht erscheinenden Attacken hilflos gegenüber.

Um weiterer Kritik von vorn herein aus dem Wege zu gehen, verbringt der Alkoholkranke immer mehr Zeit allein - oder aber mit Menschen, die entweder selbst (und mit ihm) trinken, die dem Trinken unkritisch gegenüberstehen und/oder ein typisch coabhängiges Verhalten an den Tag legen. Oftmals entstehen dadurch 'passive' Beziehungen, in denen man regelmäßig gemeinsam 'versumpft'.

 

Der Alkoholkranke verliert das Interesse an fast allem, was ihm einmal wichtig war, und beginnt sein Leben vollständig nach seinem Trinkmuster auszurichten. Die Beschaffung von Alkohol steht an erster Stelle; alles andere erscheint zunehmend bedeutungslos. Für geregelte Arbeit und intensive, aktive Beziehungen fehlt nun die Kraft. Arbeitsverhältnisse und Freundschaften werden vom Alkoholiker 'vorausschauend' aufgekündigt, bevor andere ihm kündigen können. Diese Fluchtversuche schließen auch einen Ortswechsel nicht aus.

 

 

 

Unbestimmte religiöse Wünsche, Krisen und Depressionen

Da sich viele Alkoholkranke ihre Sucht nicht erklären können, suchen sie zunehmend Zuflucht in undeutlichen religiösen Vorstellungen. Weil die gewohnten Erklärungsmuster nicht nur Freunden, Bekannten und Kollegen, sondern auch dem Betroffenen selbst nicht mehr tragfähig erscheinen, kommt es häufig zu schweren psychischen Krisen. Viele Alkoholkranke suchen und akzeptieren erst jetzt professionelle Hilfe. Andere stürzen in so tiefe Depressionen, dass ihnen der Suizid als einziger Ausweg erscheint. Eine ärztliche Intervention in der Entgiftungsklinik (oft auch mit Psychopharmaka) ist nun dringend angezeigt. Eine Allgemeinklinik bietet dagegen meist weder eine ausreichende medizinische und psychologische Betreuung, noch das für die Gesundung nötige Klima der freundlichen Akzeptanz.

 

 

 

 

Halluzinosen

Bei dieser selteneren Psychose bestimmen vorwiegend akustische Wahnvorstellungen das Krankheitsbild. Das Bewusstsein ist klar. Der ängstlich-gequälte Alkoholiker hört meist Stimmen mehrerer nicht anwesender Personen, die in seiner Einbildung über ihn "diskutieren und schimpfen". Manche Kranke versuchen, den "Stimmen" zu entfliehen. Sie verbarrikadierten sich wie "Belagerte" in ihrem Zimmer.

Die Alkoholhalluzinose tritt meist im mittleren Lebensalter auf, oft nach einer Periode von Trinkexzessen. Wird der Alkohol abgesetzt, so klingt die Halluzinose in den meisten Fällen innerhalb weniger Tage ab. Trinken die Kranken wieder, kommt es leicht zu einer Wiederholung. Bei einem Fünftel der Fälle wird die Alkoholhalluzinose chronisch (schizophrenieähnlich). In seltenen Fällen ist der Endzustand eine Demenz.

Zur Behandlung von Halluzinosen werden in der Regel Neuroleptika und bei Epilepsien Antikonvulsiva eingesetzt.

Krampfanfälle

Die Anfälle gleichen denen der Epilepsie. Sie treten ebenfalls häufig bei plötzlichem Entzug (20-30 % der Abhängigen) auf, allein oder als Begleiterscheinung des Delirs. Es gibt auch "nasse Krämpfe" während der Trinkphasen. Ist einmal ein Krampfanfall aufgetreten, bleibt die Neigung dazu chronisch. Bei jedem epileptischen Anfall kommt es zu einem Massensterben von Gehirnzellen.

Der Alkoholkranke stürzt wie ein Epileptiker plötzlich unter schweren Zuckungen und Krämpfen zu Boden und kann sich dabei ernsthaft verletzen. Erbrechen während eines Anfalls kann zum Tod durch Ersticken führen.

Vorbeugend werden Krampfanfälle bei den dazu neigenden Patienten (falls bekannt) mit Carbamazepin behandelt.

 

Wernicke-Krankheit

Die Wernicke-Enzephalopathie ist eine schwere alkoholbedingte Psychose, die nach einem Alkoholdelir auftreten kann. Sie ist die Folge einer Hirnschädigung, die - wie auch die Korsakow-Erkrankung- wahrscheinlich auf einen chronischen Mangel an Thiamin (Vitamin B1) zurückzuführen ist. Der Übergang zum Korsakow-Syndrom ist fließend, weshalb die Krankheit oft auch Wernicke-Korsakow-Syndrom genannt wird.

Typisch für die Wernicke-Enzephalopathie sind:

* Schläfrigkeit und Apathie

* Augenmuskellähmungen und Doppeltsehen

* Beeinträchtigungen der Muskelbewegungen, Reflexstörungen, Störungen der Feinmotorik

* Sprech- und Schluckstörungen

* Bewusstseinstrübungen, Desorientiertheit, Schlafstörungen sowie

* verschiedene vegetative Störungen.

Nur bei absoluter Alkoholabstinenz mit gleichzeitiger Gabe von Thiamin (Vitamin B1) kann nach längerer Zeit die Leistungsfähigkeit unter Umständen partiell wiederhergestellt werden. Wird die Wernicke-Krankheit nicht behandelt, kann sie tödlich verlaufen. Überlebt der Patient, bleibt meist ein Korsakow-Syndrom zurück.

 

Alkoholdelir (Delirium Tremens)

Alkoholdelirien treten nachjahrelangem schwerem Alkoholmissbrauch während eines starken Rausches oder während des Entzugs auf.

Ernstzunehmende Vorboten des gefährlichen Anfalls zeigen sich oft bereits Wochen vorher. Anlass zur Sorge und Intervention bieten:

Schlaflosigkeit, Zittern, Schreckhaftigkeit und vor allem furchteinflößende halluzinatorische Zustände bei Nacht, bei denen imaginierte Personen und Tiere in oft theaterähnlichen Szenen auftreten und den Alkoholiker bedrohen. Jede Form der Halluzination, und sei sie auch 'nur' akustisch, sollte Grund für einen Arztbesuch sein, um Schlimmeres zu verhindern.

Das 'Alkoholdelirium' oder 'Prädelir' ist Teil einer Alkoholpsychose, die durch verschiedenste optische und akustische Sinnestäuschungen gekennzeichnet ist. Die Persönlichkeit des Alkoholkranken scheint 'gespalten'. Blutdruck und Puls erhöhen sich, Zittern und starkes Schwitzen werden zum Problem.

Ein Delirium Tremens ist ein lebensbedrohlicher Anfall, der bei 20% der unbehandelten Fälle tödlich verläuft! Zu einem unfreiwilligen Entzug mit fatalen Folgen kommt es häufig nach Unfällen mit anschließender Einweisung in ein Krankenhaus, wenn das Pflegepersonal entweder nicht über die Alkoholerkrankung des Patienten informiert ist, oder die Tragweite eines plötzlichen Entzugs nicht erkennt. Bei der stationären Behandlung von Alkoholkranken ist immer äußerste Vorsicht geboten. Das Auftreten eines Delirium Tremens muss unter allen Umständen verhindert werden.

Beim extremen Rausch sowie auch beim plötzlichem Absetzen des Alkohols kann es bei schwer Alkoholabhängigen nach 1 bis 3 Tagen zu einer dramatischen Fehlschaltung im Gehirn kommen, die verheerende Folgen hat.

Häufige Begleiterscheinung des Delirium Tremens sind:

1.) Bewusstseinstrübungen, Halluzinationen (Einbildung von Stimmen, Personen) bis hin zur völligen Geistesverwirrung

2.) Starke Ängste, traumatische Zustände, Weltuntergangsstimmung, Verfolgungswahn (Achtung: Gefährdung des eigenen Lebens und des Lebens anderer!)

3.) Epilepsieartige Krampfanfälle bis hin zum 'Grand Mal' mit einer erhöhten Verletzungsgefahr

4.) Orientierungslosigkeit bezüglich Ort, Zeit und Situation; die personenbezogene Orientierung bleibt jedoch meist erhalten

5.) Erhöhte Beeinflussbarkeit, Minderung der Kritikfähigkeit

6.) Psychomotorische Unruhe (nestelnde Hände, Fahrigkeit, Gestikulieren, Schreien)

7.) Gefahr eines Kreislaufzusammenbruchs

Das Delir wird auch als Einbruch von Traumphasen in den Wachzustand interpretiert. Es dauert gewöhnlich 2 bis 5 Tage und klingt spontan ab. Manche Patienten zeigen vor dem eigentlichen Delir Prodomalerscheinungen (Schreckhaftigkeit, Angst, Zittern). Dieser Zustand wird Prädelir genannt. Ein Delir kann in ein Korsakow-Syndrom, eine alkoholische Demenz oder in die Wernicke-Krankheit übergehen.

Das Delirium Tremens kann nur auf einer Intensivstation behandelt werden. Es lässt sich mit Clomethiazol dämpfen (Blutdrucksenkung), nach Bedarf muss zusätzlich sediert werden, z.B. mit Benzodiazepinen. Nicht selten besteht bei häufig auf Entzug behandelten Patienten eine Abhängigkeit von Distraneurin (Clomethiazol). In solchen Fällen wird das weniger wirksame Butyrophenon (z.B. das Neuroleptikum Haloperidol) verwendet.

 

Korsakow-Syndrom

Diese schwerste Form der Gehirnschädigung durch Alkohol wurde nach dem russischen Psychiater Sergej Korsakow benannt, der sie 1880 erstmals beschrieb. Der davon betroffene Alkoholkranke erleidet durch das Absterben bestimmter Gehirnregionen einen gravierenden Gedächtnis- und Orientierungsverlust, der zur Folge hat, dass er unter Umständen überhaupt kein "Gestern" oder "Morgen" mehr kennt, sich räumlich nicht mehr orientieren kann, und auch engste Bezugspersonen nicht wiedererkennt.

Trotz aller Einschränkungen können jedoch Aufgaben, die auf eingespeicherten motorischen Programmen beruhen, ohne weiteres erlernt und und ausgeführt werden.

Einige Betroffene glauben in einer anderen Zeit und/oder an einem anderen Ort zu leben. Sie passen dann häufig auch ihr Verhalten dieser imaginierten Umgebung an.

Häufig ist die Merk- und Lernfähigkeit schwer beeinträchtigt. Neue Informationen können entweder gar nicht erst gespeichert oder nach der Aufnahme nicht artikuliert werden ('anterograde Amnesie'). Im Falle einer retrograden Amnesie kann der Patient die Vergangenheit nicht rekapitulieren oder mitteilen.

Ein weiteres Merkmal der Korsakow-Erkrankung ist die Konfabulation. Der Alkoholkranke erzählt Geschichten, die schlichtweg erfunden sind, aber von ihm als wahr empfunden werden. Häufig fließen in diese Erzählungen Versatzstücke tatsächlicher Begebenheiten ein. »

Leider ist die Korsakow-Erkrankung in der Regel durch Abstinenz kaum noch heilbar. Für viele Patienten endet der Raubbau an ihrer mentalen Gesundheit auf einer geschlossenen Station der Psychiatrie. Es ist anzunehmen, dass die weitreichenden Schädigungen des Hirns durch einen Mangel an Thiamin (Vitamin B1) hervorgerufen werden, der wiederum durch die oft unzureichende und einseitige Ernährung vieler Alkoholabhängiger sowie durch alkoholinduzierte Stoffwechselstörungen verursacht wird. Es werden im Laufe der Erkrankung auch andere Teile des Hirns in Mitleidenschaft gezogen. Lesen Sie mehr dazu in unserem Kapitel 'Erkrankungen'.

Eifersuchtswahn

Eifersuchtsvorstellungen sind bei Alkoholikern häufig. Bei einem kleinen Teil verdichten sie sich zur Entwicklung eines Eifersuchtswahns. Faktoren der Wahnentwicklung sind die begreifliche Abkehr des Partners wegen des Trinkens, das gestörte Verhältnis zur Umwelt und die oft alkoholbedingte Impotenz bei vorübergehend gesteigerten sexuellen Wünschen. Die Schuld am eigenen Versagen wird abgewehrt und auf den Partner übertragen. Die Verdächtigungen nehmen oft groteske Formen an. Der Eifersuchtswahn kann chronisch werden und auch bei späterer Abstinenz fortbestehen. Er führt nicht selten zur Anwendung von Gewalt.

 

 

MEOS

 

Das Mikrosomale Ethanoloxidierende System (MEOS) ist neben der Alkoholdehydrogenase ein weiterer Weg, über den die Leberzellen den Alkohol entgiften können. Anders als die Alkoholdehydrogenase läßt sich dieses System durch regelmäßigen Alkoholkonsum aktivieren. Da MEOS aber auch viele andere Stoffe abbaut, kommt es zu Verwicklungen. Alkohol verdrängt beispielsweise Beruhigungsmittel von diesem System, so dass ihr Wirkspiegel im Blut länger aufrechterhalten wird. Im nüchternen Zustand nach chronischem Alkoholkonsum ist zuviel abbauendes Enzym vorhanden, so dass Medikamente schneller abgebaut werden, wie z.B. Blut-Gerinnungshemmer.

Co-Abhängige sind die geheimen Helfer der Abhängigen in Familie und Betrieb. Sie wissen bewusst oder intuitiv sehr genau, was vor sich geht, sind aber nicht sehr indirekt in der Lage, die Betroffenen auf ihr Verhalten anzusprechen - aus Angst vor Wutausbrüchen, aus falsch verstandener Liebe oder weil sie sich nicht zuständig fühlen. Ein deutliches Merkmal ist dabei ihre Inkonsequenz. Oft Helfen sie dabei den Betroffenen über Jahre hinweg, sein Trinkverhalten zu verheimlichen oder sogar zu verfestigen. Dabei machen sie selbst, ähnlich wie der Alkoholkranke, eine Entwicklung durch, die sie einerseits an den Betroffenen bindet und andererseits immer weiter mitzieht. Die Gedanken kreisen genauso immer mehr um Alkohol, viele lügen und decken den Betroffenen oder helfen bei der Beschaffung von neuem Stoff. Verstehen Sie es nicht falsch: Nicht jeder, der in der Umgebung eines Menschen mit Alkoholproblemen lebt, ist automatisch co-abhängig. Nur wer durch die Sucht mit beeinflusst wird, kann überhaupt zuständig sein, in ein anderes Leben einzugreifen. Und nur, wenn Ihre Gedanken und Ihr Leben durch den Alkohol bestimmt werden, können Sie in die Suchtgeschichte gezogen werden. Sind Sie betroffen, so haben Sie aber immer zwei Möglichkeiten: Sie werden co-abhängig, oder Sie handeln der Situation angemessen

Coabhängigkeit - Eine Krankheit wie der Alkoholismus.

Zum Thema Coabhängigkeit gibt es Dutzende Theorien. Die meisten gehen davon aus, dass coabhängige Partner von Süchtigen durch die Fürsorge für andere das eigene (schwache) Selbstwertgefühl zu stärken versuchen. Auf Grund dieses Erklärungsmusters wurde Coabhängigen lange Zeit die Mitschuld für den exzessiven Alkoholkosnum ihres Partners gegeben.

Neuere Studien belegen aber, dass es für die Entwicklung einer Coabhängigkeit keiner besonderen Persönlichkeitsstruktur bedarf. Vor der Abhängigkeit weisen die Partner der später Erkrankenden ein breites Spektrum an Charakterprofilen auf. Die sogenannte 'Ich-Schwäche', Kontrollzwang und Dominanz kommen hier nachweislich ebenso oft oder selten vor wie beim Rest der Bevölkerung.

Zur Entwicklung der Coabhängigkeit braucht es quasi nur einen Abhängigen. Während des Zusammenlebens bilden sich bestimmte Verhaltens- und Interaktionsmuster aus, die beiden Betroffenen langfristig schaden.

Die im Anschluss aufgeführten Strukturen und Verhaltensweisen entstanden am Anfang der Sucht oder der Beziehung beim Versuch, das Problem zu lösen und/oder zu bewältigen. Erst im Laufe der Zeit wurden sie dann zu eingefahrenen Ritualen des Zusammenlebens, die ähnlich destruktive Tendenzen haben.

Viele der erwähnten Verhaltensmuster treten gleichzeitig oder rasch alternierend auf. Beispielsweise liegen Hass und Liebe, Wut, Verständnis und Mitleid in vielen Alkoholikerfamilien nah beieinander. Dabei spielen sich beide 'Parteien' im Laufe der Zeit immer mehr aufeinander ein; ihr Verhalten ergänzt sich komplementär und macht Veränderungen immer unwahrscheinlicher (es funktioniert ja doch irgendwie, und wenn es beiden nichts mehr bringen würde, wäre man ja schon längst nicht mehr zusammen).

Auch wenn beide Partner ständig übereinander schimpfen, scheint der Gewinn also noch größer zu sein als die erlittenen Verluste - auch wenn das von 'Außen' ganz anders aussieht. Schließlich schweißt nichts mehr zusammen als gemeinsam durchlittene Krisen. Die gegenseitige Abhängigkeit ist in Alkoholikerhaushalten viel größer als in anderen Familien.

Und wer sonst wäre bereit, gemeinsam die Fassade zu wahren und Extremsituationen durchzustehen, als derjenige, den man schon so oft auf Krisentauglichkeit getestet hat? Und wer sonst 'müsste' bei einem bleiben, egal, wie man sich verhält? Ein Äquivalent finden zu wollen, würde sich für beide Betroffenen schwierig gestalten. Und dass sie das wissen, das sie ausgeliefert sind, führt zu Hassgefühlen, denen erst Luft gemacht werden kann, wenn Alternativen zur Verfügung stehen (ein neuer, 'verständnisvoller' Partner, eine Therapie, die den Selbstwert stärkt...) Erst in diesem Moment kommt es meist zu beziehungsgefährdenden Krisen bis hin zur Trennung.

 


Phasen der Co-Abhängigkeit

Die Entwicklung der Coabhängigkeit ist so fließend wie der Alkoholismus selbst. Die Abhängigkeit vom Abhängigen beginnt, wenn die negativen Folgen des Trinkens toleriert werden.

Verhaltensmuster schleifen sich ein und erscheinen zunehmend alternativlos. Andere Strategien des Umgangs werden nicht mehr erprobt, um nicht durch Veränderungen des Status Quo alles noch schlimmer zu machen.

Nach R. HALLMEIER, Alkoholismus und Co-Alkoholismus, in: Suchtgefahren 31, 1985, S. 271ff

1. Beschützer- oder Erklärungsphase

2. Kontrollphase

3. Anklagephase

 

+++ 1. Erklärungsphase: Ist ja alles halb so schlimm +++

Im Anschluss finden Sie fiktive innere Monologe der Partnerin eines Alkoholikers, die bestimmte Entwicklungen verdeutlichen sollen.

"Was wir doch für eine tolle, rauschende Zeit miteinander haben. Morgen nehm' ich wieder Sekt und Cognac zum Ausflug mit, das hat er so gern. Dann wird er immer so fröhlich und liebevoll. Ich darf auch nicht vergessen, fürs Wochenende den Kasten Bier zu besorgen, den er sich gewünscht hat. Dann bleiben wir schön zu Hause, und abends zur Party bei Lehmanns ist er dann schon so richtig gut drauf. Ein richtig toller Hecht, um den mich alle beneiden. Die Spießer. Wir feiern ein rauschendes Fest, und alle haben sich lieb. Und auch danach ;-) ist er noch fit wie ein Turnschuh - oder besser, wie ein wilder Tiger... (na, auch wenn der Sprung neuerdings immer mal ins Leere geht, man soll ja nicht zu viel verlangen ;-)

Er trinkt ja immer mehr als ich, aber er ist ein Mann, da ist das normal. Er ist ja so gestresst in letzter Zeit. Wenn die Phase vorbei ist, achte ich mal drauf, dass er wieder weniger trinkt. Aber jetzt entspannt es ihn, das kann ja nicht schaden. Schließlich ist er nach ein paar Gläsern intus immer besonders geistreich und brilliant, alle großen Künstler haben getrunken, das weiß jeder.

Manchmal streiten wir uns schon, wenn er wieder mal über die Stränge geschlagen hat und die Leute doch etwas pikiert waren. Sollen sie reden. Er ist halt was Besonderes.

In letzter Zeit schüttet er das Bier in sich rein, vor dem Sex, oder wenn wir uns gestritten haben, er trinkt das Zeugs mit Strohhalm, kann gar nicht wieder aufhören, trinkt jetzt auch am Nachmittag und hat immer was dabei (hat er einen Flachmann im Mantel?) Ich glaube, er trinkt mehr, als man ihn trinken SIEHT. Daran ist aber nur der ignorante Chef schuld, der Stress mit den Kollegen, die böse Schwiegermutter und nicht zuletzt ich, die neuerdings immer an ihm rumnörgelt. Da hat er schon Recht. Es hat also alles seinen Sinn und wird auch wieder vorbeigehen. Bis dahin muss keiner was mitbekommen, nicht die Kinder, nicht der Boss, ich klär das alles für ihn. Ein bisschen mulmig ist mir aber doch. Hmmm.

Na, Alkoholiker hängen auf der Parkbank 'rum und sind ständig besoffen. Meiner benimmt sich aber ganz ordentlich. Er ist doch kein Säufer, was ihr nur habt... Ihr seid nur neidisch, weil er so ein toller Kerl ist, der jede Party zum Kochen bringt.

Wie er aber neuerdings über unsere Freunde herzieht... von seinem besten Kumpel hat er sich neulich ganz plötzlich getrennt, der hat ihn immer erziehen wollen, sagt er. Dabei war das so ein netter Kerl, so einen findest Du nicht wieder.

Er ist auch so reizbar geworden in letzter Zeit, immer hängt er mürrisch in der Ecke, will gar nicht mehr 'rausgehen, geht mich wegen Kleinigkeiten an... Hab ich was falsch gemacht? Muss ja an mir liegen, sollte eben weniger streng mit ihm sein. Ich sei ein Spielverderber, alle Leute sagen das... Letztens hat mich einer seiner Kumpels sogar sauertöpfisch genannt, weil ich über die ollen Kamellen meines Gatten nicht mehr lachen konnte. Und wie der sich aufgespielt hat an dem Abend. Aber ich hätt' mir eben nichts anmerken lassen sollen. Manchmal bin ich unausstehlich, kein Wunder, dass er sich zurückzieht. Von heute an halt' ich den Mund. Und morgen bring' ich ihm seinen Lieblingscognac mit. Dann sag ich ihm, wie stolz ich letztens wieder auf ihn war, als er den Auftrag bekommen hat. Wird schon wieder. Oder? Klar!"


 

 

+++ 2. Kontrollphase +++

"Oh, wie er das Zeug in sich 'reinschüttet in letzter Zeit. Jetzt kriegen es schon die Kinder mit. Er denkt ja, ich riech' nichts, wenn er tonnenweise Pfeffis isst. Na, ich lass' ihn in dem Glauben. Ändert ja doch nichts. Sonst ruiniert er sich mit dem Zeug noch den Magen.

Ich hab' alles versaut. Hätt' ich ihn doch in Ruhe gelassen und ihm nicht dauernd Stress gemacht. Jetzt hört er gar nicht mehr auf mich. Ich seh' ihn ja kaum noch, dauernd hängt er mit seinen Kumpels 'rum. Die sind übrigens neu, ich kenn' sie gar nicht... und die alten Freunde sieht er wohl kaum noch. Die können das wohl auch nicht mit ansehen.

Das muss ein Ende haben. Bei uns dreht sich ja alles immer nur noch um den Suff. Wir geh'n ja auch kaum noch weg, weil er sich dauernd danebenbenimmt. Außerdem hat er eh auf nix mehr Lust. Manchmal könnt ich ihn schütteln, damit der tolle Hecht in ihm wieder zum Vorschein kommt.

Ich muss anfangen, die Flaschen zu verstecken. Vom Cognac hab ich schon heute morgen ein Drittel weggekippt. Dann hab ich einen kleinen Strich auf die Flasche gemacht. Mal sehen, wieviel er trinkt. Ob er's merkt? Wenn ja, steht wieder Polen offen. Diese Auftritte! Vor den Kindern! Ich werde sie lieber zu Freunden schicken, dann bleibt ihnen wenigstens das erspart.

Gestern hat er ja mal nichts getrunken. Er hatte es mir ja versprochen, und ich war so glücklich, weil wir wieder mal ein paar schöne Stunden hatten. Es geht ja doch, wenn ich alles richtig mache. Aber heute hat er schon wieder was intus. Kann er sich nicht mal zusammenreißen?

Ich glaub, er trinkt heimlich im Keller. Letztens hab ich 5 leere Flaschen im Kofferraum gefunden. Und 2 im Blumenbeet. Ich kenn' jetzt alle seine Tricks, mir kann er nichts mehr vormachen. Und was hab ich davon? Wenn er auf irgend einem Parkplatz trinkt auf dem Weg von der Arbeit, kann ich's eh nicht verhindern. Ich muss nachher auf seinen Atem achten. Ich trau ihm keinen Meter mehr über den Weg. Die Kinder fährt er mir auch nicht mehr zum Sport. Und dabei konnte ich mich doch früher immer auf ihn verlassen. Ein Jammer. Aber einkaufen fährt er noch immer gern. Warum wohl.

Plumps. Oh Mann, da liegt er auf dem Bürgersteig. Und die Nachbarn feixen. Ich bin eine Versagerin, das sagt doch hier jeder. Der trinkt nur wegen mir. Sagen alle. Vielleicht haben sie Recht. Ich weiß doch auch nichts mehr. Ich glaub', wer trinkt, hat's leichter. Mich bemitleidet ja hier keiner, immer nur ihn. Die sind alle auf seiner Seite. Der mit seinem Buben-Charme... Ich hol mir jetzt auch mal einen Cognac. Was der kann, kann ich schon lange. Prost.

Wenn er bei Freunden ist, trinkt er ja kaum noch was. Und man merkt es ihm ja auch kaum noch an, wenn er was intus hat. Dann sagen die zu mir: Was hast Du denn? Er trinkt doch nur ab und zu mal ein Gläschen. Dabei hat er doch vorgetrunken, 'vorglühen' nennt er das, man will ja in Stimmung kommen, und sicher säuft er auf dem Klo weiter. So ein kleiner Flachmann passt ja in jede Jackett-Tasche. Aber ich steh' da als Zicke, als Blaustrumpf, let's face it, keiner versteht mich mehr, und wenn ich ihn ins Messer laufen lasse, bringe ich Schande über die Familie, und uns kommt gar keiner mehr besuchen. Wer läuft schon gern freiwillig im Minenfeld 'rum. Mann. Besser ist, wir melden uns gar nicht mehr bei denen. So sollen sie uns nicht sehen. Dann bleiben wir eben zu Hause, da hab ich alles unter Kontrolle.

Morgen abend werd' ich einfach mittrinken. Ich hol' ihm eine Flasche von dem Billigeren, der hat nicht so viele Prozente. Dann seh' ich wenigstens, wieviel er kippt, und er merkt, dass man mit mir doch noch was anfangen kann. Guter Plan.

Hauptsache, es gibt nicht wieder Knatsch. Dann säuft er erst recht. Ich muss mich echt zurücknehmen. Nicht dass er mir noch davonläuft. Ach was, kann er doch gar nicht. Ohne mich wär' er doch aufgeschmissen. Und wenn er schon 'ne Andere hat? Die fröhlich mittrinkt und den Mund hält? Bei der er noch den tollen Hecht markieren kann? Hilfe, ich muss mich echt zusammenreißen. Ich sag lieber gar nichts mehr."

 

+++ 3. Anklagephase+++

"Mann, so geht das nicht weiter. Manchmal könnt' ich ihn umbringen. Er wird schon sehen. Morgen kauf ich 'ne Axt und schlag' ihm seinen dummen Schädel ein. Diese ewigen bösen Attacken, die Häme, dieses miese Schweigen! Nie ist er da, und wenn, dann kotzt er mich an! Und letztens hat er mich geschlagen, das muss man sich mal vorstellen! Dabei hab ich doch nur mal wieder mit Tom telefoniert, der brauchte meine Hilfe, das heißt doch nicht gleich, dass ich mit ihm in die Kiste steige!

Wenn er doch einfach weg wäre. Aber ich kann ihn so nicht hängen lassen. Er würde doch nur in der Gosse landen. Und die Kinder? "Mein Vater, der Penner." Und er war doch so ein lieber Kerl, was mach ich nur. Die einen sagen, verlass' ihn, die anderen sagen, Du musst da jetzt durch, Du hast ja eine Aktie dran, ich weiß es doch auch nicht. Wenn es doch wenigstens einen gäbe, der mir einfach nur zuhört und mich versteht. Alle hacken sie auf mir 'rum. Alle.

Heut Nacht werd' ich wieder nicht schlafen können. Zum Glück hab ich ja das Valium vom Arzt, damit geht's dann meist noch. Und die Tabletten gegen die Magenschmerzen. Und morgen komm ich dann wieder nicht aus dem Bett, das Bad muss schon lange mal wieder geputzt werden, jeden Tag schieb ich das auf. Die Kinder hatten auch schon lange keinen Spaß mehr. Ich bin eine Rabenmutter. Sie haben Recht. Ich hab 'nen Säufer verdient. Ist doch so. Am besten bring' ich mich gleich um. Wenn die Kinder nicht wären..."

Alkohol am Arbeitsplatz

Alkoholabhängigen oder -gefährdeten Arbeitnehmern sollten von Seiten der Geschäftsleitung stets mehrere Chancen eingeräumt werden, ihr Verhalten zu überdenken und professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, um ihr Suchtproblem in den Griff zu bekommen. Die Zauberformel dabei lautet 'konstruktiver Druck'. Im Zentrum mehrerer Gespräche zwischen Betroffenem, Betriebspsychologen, Sozialarbeitern und Vorgesetzten sollten stehen:

* die durch das Trinken verursachten wirtschaftlichen Folgen
(Produktionsmängel, Verdienstausfälle durch Fehlzeiten...)

* die durch das Trinken verursachten Probleme im Kollektiv (Spannungen durch Mehrarbeit, Entgleisungen, Gefährdung Anderer)

* mögliche Hilfsangebote (Therapien, Kuren...) sowie

* eventuelle disziplinarische Konsequenzen für den Fall, dass Absprachen nicht eingehalten werden.

Bei allen Interventionsmaßnahmen ist jedoch Fingerspitzengefühl gefragt. Laut Studien kann allein die Befürchtung, arbeitslos zu werden, zu erhöhtem Konsum führen oder verhindern, dass der Betroffene Behandlungsmaßnahmen in Angriff nimmt. Viele Arbeitnehmer entscheiden sich nur deshalb so spät für Entwöhnungskuren, weil sie befürchten, dass ihr Problem 'auffliegt', oder dass sie wegen 'Fehlzeiten' entlassen werden.

Dabei können laut geltendem Arbeitsrecht von Seiten des Arbeitgebers zwar Empfehlungen bezüglich möglicher Entwöhnungstherapien ausgesprochen werden, der Arbeitnehmer darf von seiner Firma aber keinesfalls zu solchen Maßnahmen gezwungen werden. Allerdings ist eine Kündigung statthaft, wenn sich der Arbeitnehmer nicht zu Therapiemaßnahmen bereiterklärt. Vereinbarungen bezüglich der weiteren Zusammenarbeit sind in jedem Fall zulässig und wünschenswert.

Laut deutschem Arbeitsrecht muss der Arbeitnehmer auch keine Alkoholkontrollen in Form von Atem- oder Bluttests über sich ergehen lassen.

Sollte es nötig sein, einen Mitarbeiter wegen seiner Suchtproblematik und ihrer Folgen zu entlassen, muss nach erfolgreicher Behandlung immer auch die Option auf Wiedereinstellung gegeben sein.

Wichtig sind in jedem Fall:

* eine frühe und konsequente Intervention, um gravierenden Folgen vorzubeugen,

* Offenheit und Ehrlichkeit statt 'Deckeln' und Vertuschen sowie

* innerbetriebliche Aufklärung und Personalarbeit, um Vorurteile und unproduktive Spannungen unter Kollegen abzubauen.

 

 

 

 

 

 

SELBST - TEST

Nr.FrageJaNein
1Leide ich in letzter Zeit häufiger an Zittern der Hände?   
2Leide ich in letzter Zeit häufiger an einem Würgegefühl (Brechreiz), besonders morgens?  
3Werden das Zittern und der Brechreiz besser, wenn ich Alkohol trinke?  
4Leide ich in letzter Zeit an starker Nervosität?  
5Habe ich in Zeiten erhöhten Alkoholkonsums weniger gegessen?  
6Hatte ich in letzter Zeit öfter Schlafstörungen oder Alpträume?  
7Fühle ich mich ohne Alkohol gespannt und unruhig?  
8Habe ich nach den ersten Gläsern ein unwiderstehliches Verlangen weiterzutrinken?  
9Leide ich an Gedächtnislücken nach starkem Trinken?  
10Vertrage ich zur Zeit weniger Alkohol als früher?  
11Habe ich nach dem Trinken schon einmal Gewissensbisse (Schuldgefühle) empfunden?  
12Habe ich ein Trinksystem versucht ( z. B. nicht vor bestimmten Zeiten trinken)?   
13Bringt mein Beruf Alkoholtrinken mit sich?  
14Hat mir an meiner Arbeitsstelle schon einmal jemand Vorhaltungen wegen meines Alkoholtrinkens gemacht?  
15Bin ich weniger tüchtig, seitdem ich trinke?  
16Trinke ich gerne und regelmäßig ein Gläschen Alkohol, wenn ich allein bin?  
17Habe ich einen Kreis von Freunden und Bekannten, in dem viel Alkohol getrunken wird?  
18Fühle ich mich sicherer und selbstbewusster, wenn ich Alkohol getrunken habe?  
19Habe ich zu hause oder im Betrieb einen kleinen versteckten Vorrat mit alkoholischen Getränken?  
20Trinke ich Alkohol, um Stresssituationen besser bewältigen zu können oder um Ärger und Sorgen zu vergessen?  
21Bin ich bzw. ist meine Familie schon einmal wegen meines Trinkens in finanziellen Schwierigkeiten geraten?  
22Bin ich schon einmal wegen Fahrens unter Alkoholeinfluss mit der Polizei in Konflikt gekommen?  


Auswertung des Testbogens: Jede mit "ja" beantwortete Frage erhält einen Punkt; bei den Fragen 3, 7, 8 und 14 sind es 4 Punkte. Bei einer Gesamtpunktzahl von 6 und mehr liegt eine Alkoholgefährdung vor.

 


Der Rückfall . . .

Zunächst ganz wichtig für den Betroffenen und den Angehörigen:

Rückfall muss keine Katastrophe sein!

Alkoholkrankheit ist nicht heilbar, man kann sie nur zum Stillstand bringen. Die meisten Alkoholkranken glauben, nach einer Phase der Abstinenz wieder mit Alkohol umgehen zu können. Leider vermuten das auch die Angehörigen. Das ist ein fataler Irrtum! Die Alkoholkrankheit ist wie ein "Chip" im Kopf gespeichert. Der Kranke fängt dort wieder an, wo er einst aufgehört hat.

Haben Sie selber einen Rückfall, werden Sie schnell feststellen, dass Ihnen der Alkohol wahrscheinlich nicht mehr schmeckt. Auch die erhoffte Wirkung tritt nicht mehr ein. Es ist schwer zu glauben, aber jeder, der einen Rückfall hatte, wird Ihnen das bestätigen. Die Abhängigkeit ist jedoch sofort wieder da.

Was mache ich als Betroffene/r?
Sind Sie selber Betroffener, haben Sie nur eine Möglichkeit - sofort wieder aufhören! Bevor es zu spät ist und Sie wieder in die Suchtspirale geraten. Suchen Sie sich eine Vertrauensperson, mit der Sie über Ihren Rückfall sprechen können. Auch in der Selbsthilfegruppe können Sie mit Gleichgesinnten darüber sprechen. Offen darüber zu reden befreit Sie von Schuldgefühlen und Selbstvorwürfen.

s mache ich als Angehörige/r?
Machen Sie dem Trinker keine Vorwürfe! Versuchen Sie mit ihm in Ruhe über seine Sorgen und Probleme zu sprechen. Ermutigen Sie ihn zum Rückfall zu stehen. Der Trinker sucht immer Gründe zum Trinken, aber es gibt keinen Grund wieder anzufangen. Versuchen Sie dies dem Alkoholkranken zu erklären, führen Sie Gründe auf, die gegen das Trinken sprechen.


Verschiedene Arten des Rückfalls:

Der sofortige Rückfall
Manche Alkoholkranke haben nach einer Zeit der Abstinenz ein starkes Verlangen nach Entspannung und Erleichterung. Hat sich das Gedankenspiel (soll ich trinken oder nicht?) letztlich zum ersten Schluck durchgesetzt, gibt es kein Halten mehr. Es wird hemmungslos getrunken, bis die eventuelle Zufriedenheit wieder da ist. Das heißt im Klartext, nur starkes "Volllaufenlassen" kann die vermeintliche volle Befriedigung schenken. Der Alkoholkranke hat Nachholbedarf.

Der stufenweise Rückfall
Er beginnt wie der sofortige Rückfall. Doch meist können die Betroffenen ziemlich schnell wieder von der Droge ablassen. Jedoch in Gedanken malt sich der Betroffene wieder aus, wie schön es sein könnte, wieder Entspannung zu finden und greift wieder zur Flasche. Meist liegen zwischen dem ersten und zweiten Rückfall Wochen. Jetzt werden jedoch die Abstände zwischen den einzelnen Rückfällen immer kürzer und irgendwann wird jeglicher Widerstand aufgegeben. Der Alkoholkranke fällt in sein altes Trinkverhalten zurück.

Der schleichende Rückfall
Es gibt Alkoholkranke, die irgendwann meinen, wieder kontrolliert trinken zu können. Folgendes Beispiel soll den schleichenden Rückfall verdeutlichen: Herr X hat vor einem halben Jahr seine Langzeittherapie abgeschlossen. Abends besucht er nach wie vor regelmäßig seine Skatrunde im Gasthaus. Seit seiner Therapie hat er dort immer Wasser getrunken. An einem Abend, als es besonders fröhlich und ausgelassen zuging, bestellte er sich ein Bier. Es blieb auch bei diesem Bier. Da es ja nun einmal gut gegangen ist, bestellte sich Herr X fortan jeden Abend zum Stammtisch ein Bier. Das ging über Wochen gut. In dieser Zeit erlebte Herr X jedoch in sich einen gewaltigen Druck. Könnte er nicht, wie die anderen auch, zwei oder drei Bier trinken? Er verwarf diese Gedanken wieder, weil er ja wusste, was damals mit ihm passiert war, als er mehr getrunken hat. Mit der Zeit wurde jedoch der Wunsch nach mehr zur Quälerei. Er gab dem Wunsch nach und verfiel wieder in sein früheres Trinkmuster.

 

 

Undefinierbare Ängste, Zittern, schwere Entzugserscheinungen

Sobald der Alkoholspiegel unter das gewohnte Maß sinkt, treten undefinierbare Ängste auf, die von starkem Zittern (Tremor) begleitet werden. Jeder Kater ist nun durch deutliche Entzugserscheinungen gekennzeichnet und schreit geradezu nach erneuter Zufuhr von Alkohol. Während eines solchen 'kleinen Entzugs' treten psychomotorische Hemmungen auf, die das Verrichten von bestimmten Tätigkeiten schwierig machen, die eine gewisse Koordination verlangen (wie Korken ziehen, Rad fahren...)

Auch auf die Psyche hat ein sinkender Alkoholpegel gravierende Auswirkungen. Ständige Niedergeschlagenheit bis hin zu schweren Depressionen, Angstzuständen, Panikattacken und traumatischen Neurosen sind keine Seltenheit. Konzentrations- und Gedächtnisstörungen machen das soziale 'Funktionieren' immer schwieriger.

 

 

Kinder


+++ Statistik

In Deutschland wird die Zahl der Kinder alkoholabhängiger Eltern im Alter bis zu 18 Jahren auf 1,5 Millionen und die von alkoholmissbrauchenden Eltern auf 2,5 Millionen geschätzt.

Kinder suchtkranker Eltern haben im Vergleich zu Kindern nicht suchtkranker Eltern ein bis zu sechsfach höheres Risiko, selber abhängig zu werden oder psychotrope Substanzen zu missbrauchen (Quelle: Klein u. Zobel 1997).

+++ Entwicklungsstörungen durch Konflikte

Von Alkoholabhängigkeit geprägte Familien sind oft durch Streitereien, Kommunikationslosigkeit und manchmal auch Gewalt gekennzeichnet. Entweder geht jeder seiner Wege, oder die Familie rückt besonders eng zusammen und schottet sich vor der Außenwelt ab. Die chronische Anspannung aller wirkt sich vor allem auf die Kinder entwicklungshemmend aus. Mindestens eine Bezugsperson ist emotional instabil, und unberechenbare und unangemessene Reaktionen sind an der Tagesordnung. Der nicht-trinkende Elternteil ist meist chronisch überfordert und reagiert mit emotionalem Rückzug oder Aggressionen, die im schlimmsten Fall die Kinder treffen. Angst, Scham und Hoffnungslosigkeit lähmen jede Aktivität.

 


+++ Mangelnde Zuwendung und ein wenig kindgerechtes Leben

Wenn der Alkoholabhängige mit sich und der Partner vorwiegend mit ihm beschäftigt ist, bleibt wenig Zeit und Aufmerksamkeit für die Kinder. Oft werden sie entweder 'ausgeblendet', als kleine 'Erwachsene' zu früh in die Verantwortung genommen oder zum Sündenbock gestempelt. Im ehelichen Kleinkrieg sehen sie sich außerdem oft gezwungen, eine Position einzunehmen; z.B. gegen den 'bösen' Säufer oder die 'ewig nörgelnde' Mama.

 

+++ Schon früh zu viel Verantwortung

Gegenüber Freunden müssen sie das familiäre Dilemma oft verheimlichen, um nicht Schande über die Eltern zu bringen und eine Zielscheibe für Hänseleien zu bieten. Trotz dieser Vorsichtsmaßnahmen wächst die gesellschaftliche Isolation. Aber auch den Eltern gegenüber dürfen sie ihre Gefühle häufig nicht zeigen, weil das zu weiteren Eskalationen führen könnte und alle der 'Schonung' bedürfen. So lernen sie schon früh, mangels elterlicher Führung allein 'klarzukommen' und ihre eigenen Bedürfnisse zurückzustellen. Da die Aussagen der Eltern oft widersprüchlich sind (Trennung - Liebe, Vorwurf - Nähe, Verwöhnung - Bestrafung), müssen sie sich ihr eigenes Wertesystem 'bauen', was nicht immer gelingt.


 


Auf diese prekäre Situation reagieren die Kinder mit unterschiedlichen Strategien - nach Sharon Wegscheider:

1.) Sie versuchen den gestressten (und oft depressiven) Eltern Arbeit abzunehmen, um sich eine Daseinsberechtigung im Familienkontext zu sichern. Sie werden damit zur unerlässlichen Stütze und ziehen daraus ihre emotionale Befriedigung. Solche Kinder werden zu früh erwachsen, einzelgängerisch und entwickeln später oft einen ausgeprägten Kontrollzwang und ein Helfersyndrom (nicht selten auch Magersucht). Sie glauben, ständig etwas leisten zu müssen, um geliebt und akzeptiert zu werden, sind aber andererseits nicht bereit, Hilfe und Nähe anzunehmen, weil sie es gewohnt sind, alles allein zu regeln.

2.) Sie reagieren rebellisch und 'unangepasst', um wenigstens negative Aufmerksamkeit zu erlangen. Das hat aber auch zur Folge, dass innerfamiliäre Probleme auf des Kind abgewälzt werden können, das 'an allem Schuld ist'. Das Risiko für eine eigene Alkoholabhängigkeit ist später besonders hoch, da das Kind schon früh lernt, dass abweichendes Verhalten Zuwendung garantiert.

3.) Sie versuchen sich 'aufzulösen' und sowenig wie möglich als Individuum in Erscheinung zu treten, um nicht zur Zielscheibe von Angriffen zu werden. Der Rückzug in eine Scheinwelt (Märchen, Fantasy, später auch Alkohol-, Drogen- und andere Exzesse) bietet die einzige Alternative zur als unerträglich erlebten Realität. Viele dieser Kinder sind später unselbständig, unfähig, auf Menschen zuzugehen und eigene Ziele zu entwickeln, und neigen zu Einsamkeit, Depressionen und 'Gefühlsstau'.

4.) Kleinere Kinder, die die Situation noch nicht rational erfassen können, reagieren auf die ständigen Spannugnen mit diffusen Ängsten und somatischen Symptomen (Schlafstörungen, Hyperaktivität, Entwicklungshemmungen).

 

+++ Lügen und Vertuschungen

Um die Kinder zu schonen, werden Probleme unter den Teppich gekehrt, und viele Eltern möchten glauben, dass ihre Sprösslinge von den innerfamiliären Spannungen nichts mitbekommen. Das ist aber meist ein Trugschluss; Kinder sind empfänglicher für 'ungute Schwingungen', als man denkt. Das Klima der Lügen und Vertuschungen geht auf sie über und wird ihr ganzes Leben beeinflussen.


+++ Dramatische Folgen

Typische Reaktionen auf das ungesunde Familienklima sind Aggressionen, Lügen, Rückzug, Flucht, chronische Angst und psychosomatische Störungen. Dramatische Leistungseinbrüche in der Schule bis hin zur Aufgabe aller Aktivitäten (Schulschwänzen, Drogensucht etc.) sind nicht selten. In schweren Fällen kommt es zu körperlichem und psychischem Missbrauch, Gewalt, Verwahrlosung, Alkoholabhängigkeit, Drogensucht und selbstzerstörerischen Tendenzen bis hin zum Suizid.

 

+++ Eigene Suchtgefährdung

1.) Kinder alkoholabhängiger Eltern sind genetisch vorbelastet; sie sind selbst in hohem Maße suchtgefährdet.

2.) Die aus den Lebensumständen resultierenden Belastungen tragen weiterhin dazu bei, dass die Anfälligkeit für alle Arten von Drogen als Mittel der

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